Alternative Möglichkeiten das Längenwachstum der Hortensien zu beeinflussen

Neben dem Hemmstoffeinsatz haben wir auch die Möglichkeit über die Kulturtechnik Einfluss auf das Längenwachstum zu nehmen. Diese Möglichkeit ist oft eine Frage der Wirtschaftlichkeit und man muss sich die Frage stellen, ob der erzielte Erfolg in Relation zum personellen Aufwand steht. Das war bei den meisten Varianten leider oft nicht der Fall, jedoch sollte man jetzt aufgrund der neuen Zulassungssituation auch diese Möglichkeiten nicht außer Acht lassen, da sie eine der wenigen Chancen darstellen, die uns in der Hortensientreiberei noch geblieben sind.

Durch die folgenden Maßnahmen ist in der Vergangenheit eine Reduzierung des Längenwachstums erzielt worden. In wie weit sie meiner Meinung nach praxisgerecht sind und auch eingesetzt werden können, werde ich später noch erläutern.

1. Die Temperaturführung
2. Der Wasserhaushalt
3. Rechtzeitige Kulturmaßnahmen

1. Temperaturführung

Bevor ich näher auf die Temperaturführung eingehe ist zu erwähnen, dass speziell bei der Temperaturführung der Treibtermin eine entscheidende Rolle spielt. So sollte man bei der frühen Treiberei (Treibbeginn Mitte November bis Ende Dezember) bei der Wahl der jeweiligen Strategie berücksichtigen, dass die meisten Sorten keinen Hemmstoffeinsatz benötigen.

Somit sollte auch keine Strategie gewählt werden, die sich hemmend auf das Längenwachstum auswirkt, da sonst eine zu kurze Ware das Resultat wäre, die wiederum nicht so gute Erlöse bringt. Des Weiteren ist zu erwähnen, dass natürlich Strategien wie der negative Diff (Temperaturanhebung während der Nacht) bei der späten Treiberei (Treibbeginn ab Mitte April) wirtschaftlich und energetisch nicht vertretbar sind.

Bei der Temperaturführung müssen wir unterscheiden, ob wir nur über ein Absenken der allgemeinen Tagesmitteltemperatur versuchen wollen einen kompakten und starken Aufbau der Pflanzen zu erreichen, oder ob wir es über eine sogenannte Temperaturstrategie wie z.b. "Diff" oder "Cool Morning" versuchen möchten.

1.1 Einfluss von "Cool Morning" auf das Längenwachstum von Hydrangea macrophylla

In der Vergangenheit hat man bereits über Temperaturstrategien zur Reduzierung des Längenwachstums bei Hortensien nachgedacht. Somit ist man auch auf die Idee gekommen, die Wirksamkeit von "Cool Morning" zu testen. Viele der damaligen Versuche haben keine nennenswerten Ergebnisse erzielt, obwohl "Cool Morning" gegenüber "negativem Diff" Vorteile besitzt; nämlich Energieeinsparung und die ganzjährige Anwendbarkeit. Das wiederum ist bei der späten Treiberei notwendig, um auf Hemmstoffe verzichten zu können. (Röber und Bauer 1995)

Der Versuch den Professor Röber in Weihenstephan 1995 durchführte, beruhte genau auf dieser Aussage. Er testete die Wirksamkeit von "Cool Morning" an den Sorten "Hermann Dienemann" (rot, syn. "Leuchtfeuer"), "Nymphe" (weiß) und "Renate Steiniger" (blau). Alle drei Sorten kommen in der Treiberei nur selten ohne Hemmstoff aus.

Aufstelltermin war der 2.1.1995 bei einer Temperatur von 22°C vom 2.1. bis 8.1.1995. Nachher wurde die Temperatur bis zum 23.01. schrittweise alle 6 Tage um jeweils weitere 2°C gesenkt. Danach blieb die Temperatur im Tagesmittel konstant auf 16°C.

Verkaufsbeginn war der 22.3.1995.

Die "Cool Morning" Methode wurde vom 10.01. bis zum 13.3.1995 durchgeführt. Man fing eine Stunde vor Sonnenaufgang an, die Raumtemperatur um 10°C abzusenken, das Ganze für die Dauer von vier Stunden. Bereits drei Stunden nach Sonnenaufgang wurde wieder die ursprüngliche Raumtemperatur angestrebt.

Die Ergebnisse waren verblüffend:

Obwohl bisher kein nennenswerter Erfolg mit "Cool Morning" erreicht worden war, erzielte man eine Reduzierung der Trieblänge um ca. 2,5cm. Diese 2,5cm erreichte ebenfalls die Hemmstoffvariante mit einer Stauchung von 0,4% "Alar" gegenüber der unbehandelten Kontrolle.

Auf der anderen Seite führt "Cool Morning" zu einer Verzögerung in der Anbauzeit während der Treibphase, weil die tägliche Durchschnittstemperatur verringert worden ist. Dieser Effekt kann durch das Anheben der Temperatur während der Tagesperiode vermieden werden. (Strauch 1995)

Auswirkungen von "Cool Morning" im Vergleich zu einer Alar Behandlung 1995 (Röber)

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1.2 "Diff"

Wenn man über "Diff" nachdenkt, sollte man sich zuerst die Frage stellen, welche Strategie man verfolgt.

"Positiver Diff" bedeutet, dass die Tagestemperatur deutlich über der Nachttemperatur liegt. Das wiederum birgt große energetische Vorteile. Tagsüber nutzt man die eventuelle Sonnenenergie, während man in der heizungsintensiven Nacht die Temperatur deutlich unter der normalen Tagesmitteltemperatur ansiedeln kann.

Das alles sind Vorteile des "positiven Diff", nur leider konnte man bisher damit bei Hortensien keine guten Ergebnisse erzielen.

Anders sieht die Sache beim "negativen Diff" aus. Hiermit hat man in der Vergangenheit bereits gute Ergebnisse erreicht. Der große Nachteil vom "negativen Diff" ist der hohe Energieaufwand den er mit sich bringt. Bislang stand er in keiner Relation zu den bekannten Hemmstoffen. Der Einsatz von "Alar", oder seit Neustem "Desmel", ist kostenmäßig immer noch bei weitem günstiger und im Gegensatz zum "negativem Diff" sogar das ganze Jahr möglich.

Erst jetzt macht man sich Gedanken, auch die kostenmäßig teureren Möglichkeiten für die Produktion einzusetzen.

Am Gartenbauzentrum Westfalen-Lippe, "Wolbeck", wurden umfangreiche Versuche durchgeführt, um den Einfluss der verschiedenen Temperaturstrategien auf das Wachstum und den Pflanzenaufbau zu untersuchen.

In Versuchen wurden mit der Sorte "Leuchtfeuer" die Einflüsse von "negativem Diff" im Vergleich zu einer konstanten Temperaturführung überprüft.

Die "negative Diff"- Strategie mit einer eingestellten Temperaturdifferenz von 3°C (17°C tags/20°C nachts) führte im Vergleich zur konstanten Temperaturführung bei 18,5°C zu einer auffallend geringeren Pflanzenhöhe. Der Austrieb und die Kulturdauer wurden nicht beeinflusst.

Einfluss von "negativem Diff" auf das Pflanzenwachstum 1993 (Richter)

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Ausgehend von diesem Ergebnis wurden weitere Versuche mit den Sorten "Leuchtfeuer" und "Libelle" bei einem Treibtermin Mitte Dezember durchgeführt, in denen die Einflüsse verschiedener "positiver und negativer DIFF"- Temperatureinstellungen mit denen einer konstanten Temperatureinstellung verglichen wurden. (Abbildung 4).

Bei "negativem Diff" von 8°C (15°C tags/23°C nachts) wurde die größte Hemmung des Trieblängenwachstums im Vergleich zur konstanten Temperatureinstellung von 19°C erreicht.

Mit einem "negativen Diff" von 4°C (17°C tags/ 21°C nachts) konnte ebenfalls ein geringeres Trieblängenwachstum erzielt werden.

Dagegen förderten die Bedingungen des "positiven Diff" das Trieblängenwachstum der entsprechenden Pflanzen. Auf die Kulturdauer hatten die verschiedenen "Diff"- Strategien keinen Einfluss!

Die "Diff"- Strategie zeigte keine Auswirkung auf die Zahl der Triebe und Dolden, obwohl bei der ?negativen Diff?- Einstellung von 8°C eine Abnahme des Doldendurchmessers zu verzeichnen war.

Aufgrund dieser Wirkung auf den Doldendurchmesser und damit auf die Qualität der Pflanzen wird die "Diff"- Einstellung von 17°C tagsüber und 21°C in der Nacht als optimal für die Kultur angesehen.

Die Wirkung der ?Diff?- Strategie auf das Trieblängenwachstum von Hortensien konnte nachgewiesen werden.

Parallel durchgeführte Sauerstofffreisetzungs- und ? Verbrauchsmessungen an Hortensien der Sorte "Leuchtfeuer" führten zu einem besseren Verständnis des Wirkmechanismus. Aus den Messungen geht hervor, dass aufgrund hoher Nachttemperatur in Verbindung mit niedrigen Tagestemperaturen eine negative Sauerstoffbilanz für den Tagesgang erzielt wird.

Die negative Sauerstoffbilanz weist darauf hin, dass durch hohe Nachttemperaturen die Veratmung derjenigen Assimilate beschleunigt wird, die tagsüber bei niedrigen Temperaturen in geringem Ausmaß aufgebaut werden.

Hinzu kommen Effekte, die auf ein verändertes Verhältnis der Phytohormone in Spross und Wurzel hinweisen. Dies ist unmittelbar auf die höheren Umsatzraten während der Nacht zurückzuführen.

Der Einsatz und die Wirkung der "Diff"- Strategie ist in besonderem Maße von den äußeren klimatischen Bedingungen abhängig!

Je höher die Einstrahlung von außen ist, desto problematischer ist es, die niedrigen Tagestemperaturen einzuhalten! Deshalb ist es von größter Wichtigkeit, nicht nur Temperaturwerte zu regeln, sondern auch die tatsächlichen Temperaturen im Gewächshaus zu überprüfen. Die Lüftungswerte sollten nur 1 bis 2 °C über denen der Heizung liegen. Bei der Temperaturkontrolle muss die Art der Messfühler beachtet werden. Nur ventilierte und schattierte Temperaturfühler spiegeln in etwa die tatsächliche Lufttemperatur wieder.

Dies ist insbesondere von Bedeutung, da die Temperaturangaben aus Versuchen der Versuchsanstalten meist auf diese Art der Temperaturmessung zurückzuführen sind. Eine Voraussetzung für die Anwendung moderner Temperaturstrategien für die Wachstumskontrolle ist daher die Modernisierung der Messfühler.

Die Wirkung der "Diff"- Strategie in Abhängigkeit von der Sorte und den vorherrschenden Kulturbedingungen kann von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich ausfallen.

Der Einsatz sollte unter ungünstigen äußeren Wachstumsbedingungen als "positiver Diff" zur Förderung des Streckenwachstums, der bei günstigen Wachstumsbedingungen als "negativer Diff" zur Wachstumsregulierung eingesetzt werden.

Die Wirkung des "negativen Diff`s" reicht zumeist aus, um das Trieblängenwachstum ausreichend zu hemmen.

Zur Sicherung einer Produktion qualitativ hochwertiger Hortensien, ist eine Kombination mit anderen Alternativen zur Wachstumskontrolle, wie zum Beispiel die trockene Kulturführung sinnvoll.

Die Abstimmung aller Wachstumsfaktoren auf das Ziel einer Qualitätsproduktion bedingt den Erfolg der "Diff- Strategie"!

Einfluss von unterschiedlichen Diff Strategien auf das Längenwachstum de Pflanzen 1993 (Richter)

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1.3 Absenkung der Tagesmitteltemperatur

Wenn man nicht unbedingt zu einem sehr frühen Termin (Februar) mit blühenden Hortensien am Markt sein möchte, oder muss, hat man auch noch folgende Möglichkeit, Einfluss auf das Trieblängenwachstum zu nehmen:

Durch einen Treibbeginn ab Anfang Januar und das schnellere Absenken der Tagesmitteltemperatur kann man ebenfalls das Längenwachstum hemmen. Entscheidend für eine kompakte und qualitativ gute Pflanze bei folgenden Kulturbedingungen ist die Sortenwahl.

Man sollte Sorten wählen, die unter normalen Kulturbedingungen (Tagesmitteltemperatur von ca. 19°C) mit vergleichbar geringem Hemmstoffeinsatz eine gute Qualität erreichen.

Um die richtige Sortenwahl zu treffen sollte man mit dem jeweiligen Rohware- oder Jungpflanzenlieferanten Rücksprache halten.

Normalerweise kultiviert man Hortensien am Anfang der Treiberei für ca. 2 Wochen bei 20° bis 21°C bis alle Knospen ausgetrieben sind und senkt dann die Temperatur auf ca. 18°C ab. Um eine kompaktere Ware zu erzielen kann man auch mit ca. 18°C beginnen und die Tagesmitteltemperatur nach 2 Wochen auf ca. 15° bis 16°C absenken. Man erhält eine kompaktere Pflanze mit härteren Trieben, festeren Dolden und einer intensiveren Farbe. Die Reduzierung die diese Methode mit sich bringt ist nicht sehr groß. Zusätzlich muss man mit einer etwa 1 bis 2 Wochen längeren Kulturzeit rechnen.

Auch diese Variante ist kein Patentrezept, setzt man Sie jedoch zusammen mit beispielsweise den rechtzeitigen Kulturmaßnahmen ein, verstärkt sich auch die Stauchwirkung.

2. Wasserhaushalt der Pflanze

Eine Verminderung des Sprosswachstums wurde auch beobachtet, wenn Pflanzen während der Treibperiode durch Trockenheit im Wurzelbereich gestresst worden waren.

Das Ganze wurde in Versuchen an der Staatlichen Versuchsanstalt für Gartenbau in Weihenstephan bereits 1994/95 getestet. Die Frage war, ob Hortensien auf Trockenstress reagieren und ob alle Sorten gleich reagieren. Man hat drei stark wachsende Sorten getestet und hat jeweils drei verschiedene Strategien verfolgt.

Ein Teil der Pflanzen wurde bedarfsgerecht bewässert. Einem weiteren Teil hat man übermäßig viel Wasser gegeben und einen dritten Teil unter Trockenstress gesetzt.

Bei den Pflanzen die sehr trocken kultiviert wurden, gab man für die ersten 25 Tage 50ml pro Tag, die nächsten 25 Tage 75ml pro Tag, für weitere 25 Tage 100ml pro Tag. Zur Zeit der Doldenentwicklung hat man die Pflanzen bedarfsgerecht versorgt. Die Ergebnisse waren beeindruckend.(Abbildung 5)

Jedoch sollte man nicht vergessen, dass eine solche Mangelversorgung auch große Risiken mit sich bringt. So ist die Variante des ?Trockenstress? gerade bei den blauen Hortensien ein Problem, da durch die Gabe von Aluminium schnell eine Versalzung auftreten kann.

Des weiteren muss der Bestand noch häufiger kontrolliert werden, da die Gefahr des Vertrocknens ständig gegeben ist.

Längenzuwachs während der Treiberei bei der Sorte ?Leuchtfeuer? 1997 (Haas)

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3. Rechtzeitige Kulturmaßnahmen

Der wichtigste Punkt in der alternativen Kulturführung sind die rechtzeitigen Kulturmaßnahmen. Das heißt im konkreten Fall der Hortensien ein frühzeitiges Rücken der Pflanzen und ein eventuelles Zwischenrücken. Wenn man genügend Platz zur Verfügung hat, ist es sogar ratsam die Pflanzen zu Beginn der Treiberei direkt auf ihren Endabstand zu stellen.

Das rechtzeitige Rücken ist mit geringen Mehrkosten verbunden. Der einzige Kostenfaktor der hier zum Tragen kommt, ist der geringfügig höhere Energieaufwand, der sich dadurch äußert, dass man die gesamte Fläche eines Satzes eventuell 5 Tage eher heizen muss.

Setzt man die rechtzeitigen Kulturmaßnahmen zusammen mit "Cool Morning" oder "negativem Diff" ein, so kann man gänzlich ohne Hemmstoffe auskommen.